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16-Nov-2006

Meine Meinung

Neues zur Austrocknung mineralischer Oberflächenabdichtungen

Im Zusammenhang mit dem Hinweis auf Vorträge beim Status-Workshop "Austrocknungsverhalten von mineralischen Abdichtungsschichten in Deponie-Oberflächenabdichtungssystemen
31. Januar und 1. Februar 2002 an der Fachhochschule Höxter
Veranstalter: DGGT Arbeitsgruppe 7 "Oberflächenabdichtungssysteme" des
AK 6.1 "Geotechnik der Deponiebauwerke" und das Fachgebiet Abfallwirtschaft und Deponietechnik, Fachbereich Technischer Umweltschutz, Abteilung Höxter der Fachhochschule Lippe und Höxter
Die Vorträge und die Ergebnisse der Workshops sollen veröffentlicht werden.
Eine Übersicht über die Beiträge, die als Tagungsunterlagen verteilt worden sind, findet man hier: Übersicht über die Beiträge als pdf-Datei 12k

Mein subjektiver Eindruck auf der Basis der Vorträge ist, daß die ausschließliche Festlegung auf die Verdichtung von tonmineralischen Abdichtungen auf dem nassen Ast der Proctorkurve in Anhang E der TA Abfall und damit auch in der TASi falsch ist. Grundsätzlich bringt die Verdichtung auf dem trockenen Ast Vorteile bei der Verhinderung oder Verminderung der Austrocknung.
Diskutiert werden wird noch - hoffentlich nicht allzu lange - darüber, wieviel % der optimalen Proctordichte erreicht werden sollte.
Diese Bemerkung hat Prof. Horn, Kiel veranlaßt mir zu schreiben, wie er die Sache sieht. Lesen Sie selbst.
Was Prof. Horn nicht weiß ist, wann und wie die Ergebnisse des Workshops zusammen mit seinen Kenntnissen möglichst schnell in die Deponieverordnung, ein LAGA Arbeitspapier oder Technische Regeln, z. B. eine GDA Empfehlung aufgenommen werden, damit man in der Praxis nicht weiterhin Gefahr läuft, unwirksame Deponieoberflächenabdichtungen zu bauen.
Die aktiven Kollegen der zuständigen Behörden und die Experten im AK 6.1 der DGGT sollten sich dazu schnellstens etwas überlegen.

Ergebnisse, die sich aufgrund der Diskussionen bei Status-Workshop abzeichnen sind:

  • Die Rekultivierungsschicht (Wasserhaushaltsschicht) sollte mindestens
    1,50 m dick sein.
  • Tonmineralische Abdichtungsschichten ohne darüberliegenden Konvektionssperren (Kunststoffdichtungsbahnen oder Asphaltabdichtungen) sollten mit einer Sandschicht oder Vliesen (als Feuchtigkeitsspeicher) abgedeckt werden.
  • Eine Dränschicht - als Kapillarsperre - über der mineralischen Abdichtung ist ein MUSS
  • Gasdränschicht und das eigentliche Deponieauflager sollten aus unterschiedlichen Materialien bestehen, um die Austrocknung der Abdichtungsschicht nicht zu begünstigen.

Anmerkungen von Prof. Horn, Kiel zu meinen Fragen hinsichtlich der Einbautechnik auf den trocken Aust der Proctorkurve

Lieber Herr Stief,
dass ich Ihre Meinung bzgl. des nassen Astes der Proctorkurve teile, ist bekannt. Ihre Frage, um wieviele % unter der opt. Proctordichte, lässt sich doch dann regionenpezifisch aus den am Ort bzw. in dem gegebenen Raum maximal zu erwartetenden Austrocknungsverhalten ableiten, denn daraus ist doch auch direkt die % unter Wopt. zu ersehen.
Also dieses Wissen kann schnell zur Verfügung gestellt werden bzw. ist doch bereits publiziert worden (z.B. Baumgartl, Taubner und Horn 1998 in Z. Kulturtechnik und Landentwicklung)
Die Grundgedanken sind auch in meinem Beitrag für Höxter nachlesbar.Hierzu gibt es in den bodenphysikalisch messenden Instituten genügend Informationen.

Hinsichtlich des Aufbaues der Oberflächenabdichtung ist folgendes zu sagen:
Ein "Regel"aufbau mit feinem Sand unmittelbar unterhalb und auf der mineralischen `Dichtschicht als Dampfsperre und Wasserspeicher für die dazwischenliegende 30 cm mächtige und auf dem trockenen Ast eingebaute Tondichtung, darüber die Kiesschicht (z.B. 20 cm ) als Wasserableiter gefolgt von einem Vlies zur Trennung von der darüberfolgenden Rekultivierungsschicht (ca. 80 cm) und darauf eine 30 cm mächtige etwas humose Oberbodenschicht ist nach unseren auch im praktischen Einsatz erzielten Ergebnisse vollauf ausreichend um eine langfristig dichtere Dichtung der Deponien zu gewährleisten.

Eigentlich braucht man jetzt nicht mehr lange zu warten, sondern könnte tatsächlich die entsprechenden Bewertungen bzw. Regelwerke überarbeiten, denn je früher dieses passiert, desto eher ist auch der alte aus meiner Einschätzung falscheWissenstand dann hoffentlich überholt und die neuen Erkenntnisse auch in der täglichen Baupraxis und bei den Genehmigungsbehörden umzusetzen. Wie kann man das erreichen?
Viele Grüße Ihr R.Horn

Wenn Sie sich der Meinung von Horn anschliessen, schreiben Sie mir doch.
Wenn Sie sich der Meinung von Horn nicht anschliessen können, müssen Sie erst recht schreiben. e-mail: info@deponie-stief.de
Es hat niemand geschrieben, aber das Thema bleibt aktuell - siehe auch "Offener Brief an Dr. Schnurer, BMU (17-Jun-2003)

Offener Brief an den BMU, Dr. Schnurer
Betreff: Abfallablagerungsverordnung und Deponieverordnung
hier: Notwendigkeit einer Änderung

Aufgrund zahlreicher Veröffentlichungen und Vorträge, in denen deutlich gemacht wurde, daß der Einbau von feinkörnigen (tonmineralische Abdichtungen) in Deponieoberflächenabdichtungssystemen auf dem "nassen Ast" der Proctorkurve, mit großer Wahrscheinlichkeit zu Schrumrissen infolge von Wasserverlusten führt, schien es an der Zeit, den BMU und gleichzeitig auch die LAGA von dem Sachverhalt offiziell in Kenntnis zu setzen, und eine Änderung der AbfAblV und der DepV anzuregen.

Das habe ich getan, weil Forscher und auch Technisch-Wissenschaftliche Vereine (unverständlicherweise) zu zurückhaltend sind.

Meinen Brief an Dr. Schnurer können Sie hier als pdf-Datei lesen.

(17-Jun-2003)

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