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17-Jan-2012

Meine Meinung

Rohre und Schächte aus PEHD für Deponien ungeeignet?

Da mich keine weiteren Reaktionen zu Meiner Meinung erreichen, komme ich zu der Ansicht, daß das Problem gelöst ist, wenn es in Ausschreibungen beispielsweise heißen würde:
Angebote erbeten für Rohr DIN 8074 - 110x10,0 - PE 100 bimodulare Formmasse.
(durch bimodulare Formmasse sollen nämlich die Rohreigenschaften drastisch verbessert werden können)

Reaktionen auf MeineMeinung : Schicketanz 10.5. |

Wieder einmal wird darauf hingewiesen, daß im Deponiebau möglicherweise Bauteile aus ungeeigneten Materialien verwendet werden. Diesmal sind es nicht zur Trockenrissen neigende tonmineralische Abdichtungen, sondern Rohre und Schächte für die in Ausschreibungen einfach nur PEHD als Werkstoff gefordert wird.

Rohre und Schächte, die im Deponiebau verwendet werden, sollten aus PE 80 oder besser aus PE 100 hergestellt werden.
Die Bezeichnung PEHD darf es einfach bei hochbelasteten Rohrsystemen nicht mehr geben!
fordert Frank.

Warum nicht, kann im Detail nachgelesen werden, bei:

Dipl.-Ing. Philipp Frank, FRANK Deponietechnik GmbH
hat auf der 21. Fachtagung "Die sichere Deponie - Sicherung von Deponien und Altlasten mit Kunststoffen". Veranstalter: SKZ - ConSem GmbH in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Grundwasserschutz e. V. , Würzburg, Februar 2005
den sicher zu wenig bekannten Vortrag:
"Besondere Anforderungen an die Polyethylen-Formmassen für Rohre und Bauteile in Deponien - Punktlasten durch Kiesfilter erfordern erhöhte Beständigkeit gegen langsame Rissfortpflanzung "
gehalten.

Alle Vorträge der Fachtagung sind über www.akgws.de als pdf-Dateien verfügbar.
Der Vortrag von Frank kann auch hier als pdf-Datei (1,8MB) aufgerufen werden.

In der Schlussbetrachtung (Zusammenfassung) seines Vortrages schreibt Frank:

6 Schlussbetrachtung (Zusammenfassung)

Sickerleitungsrohre in Deponien müssen einer extremen Punktbelastung stand halten.

Die Kerbwirkung durch Perforation (Lochen oder Schlitzen) wirkt sich ebenfalls auf mögliche Rissbildung aus. Für diese Anwendung ist daher nach unserer Meinung ein PE Werkstoff mit einem nachgewiesenen
FNCT – Wert > 500 h zu fordern.

In der DIN 8075 (Stand August 1999) steht folgender wesentliche Satz:

„Die bisher mit 50 Jahren angesetzte Betriebsfähigkeit wird aufgrund langjähriger Versuche und
Erfahrungen für PE-Rohre mit mindestens 100 jährige Betriebsfähigkeit erweitert.“

Dazu wird eine entsprechende Langzeitstabilisierung vorausgesetzt! Hierzu gibt der OIT- (Oxidations-Induktions-Time) Wert nach DIN EN 728 Hinweise. Leider wird in der DIN 8075 auch zur Stabilisierung keine Prüfung gefordert.

Das DIBt schreibt in den Zulassungsgrundsätzen einen OIT Mindestwert > 30 Minuten (200°C) bzw. > 15 Minuten (210°C) vor. Bei gängigen Rohrqualitäten wird in der Regel ein OIT > 50 Minuten (200°C) erreicht. Bei unstabilisierten PEHD-Typen liegt der an Rohren gemessene OIT Wert unter 1 Minute. Für einen solchen – nicht ausreichend stabilisierten – Werkstoff sind bei entsprechender Belastung 50 Jahre Gebrauchsfähigkeit in Frage zu stellen.

Die Anforderungen an PE-Rohre in Deponien sind ebenso für Schachtbauwerke vorauszusetzen.

Für Rohre und Schächte außerhalb der Deponie sollte bei einer Sandbettung zumindest eine
DIBt Zulassung für Formmasse, Rohre, Wickelrohre (Schachtmäntel) und Halbzeuge vorausgesetzt
werden.

Die Bezeichnung PEHD darf es einfach bei hochbelasteten Rohrsystemen nicht mehr geben!

Kurzfassung

Weil viele sich vielleicht nicht auf Anhieb entschließen können, den ganzen Vortragstext zu lesen, habe ich Herrn Frank gebeten, sein Anliegen noch einmal in Kurzform deutlich zu machen - auch um zu erreichen, daß künftig niemand mehr sagen kann, er habe es nicht gewußt. Frank schreibt:

„Den Werkstoff Polyethylen gibt es durch seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in einer ganzen Reihe von Qualitäten. Bei den Dichtungsbahnen ist, bedingt durch die Zulassungsanforderungen der BAM, eine optimale und auf die Anwendung zugeschnittene Qualität vorausgesetzt und entsprechend überwacht!

Zu Rohren und Bauwerken gibt es keinerlei Materialvorschriften, die deponie­spezifische Anforderungen beinhalten.

Aus der Historie gibt es den Begriff PEHD. In der Grundnorm zu Qualitätsanforderungen für Rohre ist PEHD auch aufgeführt für untergeordnete Anwendung. Bei genauer Betrachtung dieser Norm muss man leider feststellen, dass für PEHD keinerlei Langzeitfaktor gefordert ist. Für Druckrohre wird heute in der Regel PE 100 eingesetzt. PE 100 hat neben einer erhöhten Langzeitfestigkeit ein sehr gutes Verhalten gegen langsame Rissfortpflanzung. Das Verhalten gegen Rissfortpflanzung wird im Full Notch Creep Test (FNCT) geprüft. Ein FNCT-Wert von 300 Stunden ist eine Mindestanforderung des DIBT bei An­wendung von PE100-Rohren nach Vorgaben des Wasserhaushaltungsgesetzes.

Deponierohre und Bauwerke sind nicht in Sand gebettet. Da genügend Rohstoffhersteller für ihre PE 100 Materialien einen FNCT-Wert über 500 Stunden erreichen, ist dieser Wert als Mindestwert für Rohre und Schachtbauwerke in Deponien zu fordern."

Aufgrund aktueller Schäden empfehlen wir dringend folgende Vorgaben zur Werkstoffwahl:

  • Rohre, Formteile und Schachtbauwerke sind zu fertigen aus PE 100.
  • Die Formmasse muss als Rohrqualität deklariert sein mit einer entsprechenden Langzeitstabilisierung. Der OIT-Wert muss über 30 Minuten (200° C) liegen.
  • Der FNCT-Wert ist mit mindestens 500 Stunden gefordert und muss nachgewiesen werden.

Der Preisunterschied ist vernachlässigbar.

Ich unterstelle, dass zur Ausschreibung jeder verantwortungsbewusste Rohrhersteller eine PE 100 Qualität sowieso anbietet (mindestens jedoch PE 80!).

Bei der freihändigen Vergabe der Baufirmen an den Rohrlieferanten spielt dann Qualität überhaupt keine Rolle mehr, sofern in den Vorbemerkungen nichts festgeschrieben ist.

Das Schreiben von Frank kann als pdf-Datei hier abgerufen werden.

Man darf gespannt sein, ob andere Experten die Meinung von Frank teilen und seine Forderungen befürworten. Schicken Sie Ihre Meinung als e-mail an info@deponie-stief.de oder schreiben Sie sie direkt ins FORUM von www.deponie-stief.de
Bei ausreichender Unterstützung wird sich dann auch vielleicht die LAGA Arbeitsgruppe "Vollzugstechnische Deponiefragen" mit der Angelegenheit befassen und Empfehlungen aussprechen.

Reaktionen

R. Schicketanz schreibt im Forum (10. Mai 2005)

Verfasst von Schicketanz, Rolf am 10 Mai, 2005

Lieber Herr Stief, so pauschal kann man das nicht sagen. Der Fachmann weiß, dass sich hinter dem Kürzel PEHD sowohl ein Materialgattungsbegriff (z.B. wie für PP, PTFE etc.)als auch - leider - eine Materialqualitätsbezeichnung/Werkstoffleistungsklasse (wie PE 80 etc.)in DIN 8074/8075 verbirgt. Herr Frank hat mit seiner Äußerung nur die "Qualitätsbezeichnung" gemeint, so dass nach wie vor gilt: PE-Rohre der Werkstoffleistungsgruppe "PEHD" sind für den langfristigen Einsatz in Deponien (und auch bei anderen qualifizierten Anwendungen) ungeeignet.
Im übrigen kennen die relevanten EN-Normen (z.B. DIN EN 13244 ff) diesen Werkstoffleistungsbegriff "PEHD" nicht, sondern unterscheiden in "PE63, PE80 und PE100" nach DIN EN 12162.
Freundliche Grüße - Rolf Schicketanz

Anmerkung Stief: Den Hinweis von R. Schicketanz kann man auch so formulieren:

Frage:
Sind Rohre der Werkstoffleistungsgruppe PEHD nach DIN 8074/8075 ungeeignet? Antwort: JA.

Aber:
Rohre der Werkstoffleistungsklasse PEHD der Qualitätsstufen PE 63, PE 80, PE 100 nach DIN EN 12162 sind für den Einsatz im Deponiebau geeignet.

Nach weiteren Recherchen komme ich zu der Ansicht, daß das Problem gelöst ist, wenn es in Ausschreibungen beispielsweise heißen würde:
Angebote erbeten für Rohr DIN 8074 - 110x10,0 - PE 100 bimodulare Formmasse.

(durch bimodulare Formmasse sollen nämlich die Rohreigenschaften drastisch verbessert werden können)

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