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Meine Meinung

Falschfahrer in NRW?

Umsetzung der Abfallablagerungsverordnung und der Deponieverordnung in Nordrhein-Westfalen - Stand der Genehmigungspraxis

Ergänzungen zu MeinerMeinung "Falschfahrer in NRW?

Meine Zusammenfassung:
Qualitätssicherungskonzepte und -pläne lohnen sich offenbar nicht - jedenfalls nicht im Bereich der Deponieabdichtungen - jedenfalls nicht in NRW.
Im Entwurf des Merkblattes "Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten" Teil 2 "Oberflächenabdichtungen" - so habe ich es jedenfalls verstanden, werden nur Abdichtungskomponenten für die es keine, oder nur schwache, jedenfalls nur wenig bekannte Qualitätsanforderungen gibt. Ja es werden sogar Abdichtungskomponenten besonders empfohlen - gemeint ist die (austrocknungsgefährdete) tonmineralische Abdichtung - deren uneingeschränkter Einsatz auch in einem kürzlich veranstalteten Workshop nicht gerechtfertigt werden konnte.

Zum Thema

Auf der Fachtagung "Die sichere Deponie - Sicherung von Deponien und Altlasten mit Kunststoffen" hat Dr.-Ing. MICHAEL TIEDT, Landesumweltamt NRW, (jetzt LANUV NRW) Düsseldorf den Vortrag "Umsetzung der Abfallablagerungsverordnung und der
Deponieverwertungsverordnung in Nordrhein-Westfalen - Stand der Genehmigungspraxis" gehalten.

Lesen Sie die pdf-Datei des Manuskriptes

Schwerpunkt des Vortrags von Tiedt war die Erläuterung der Empfehlungen die das LANUV NRW im Merkblatt "Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten" Teil 2 "Oberflächenabdichtungen" geben will (z. Z. gibt es offenbar nur Entwürfe).

Was mit dem Merkblatt Teil 2 beabsichtigt ist, erläutert Tiedt wie folgt:

"In einer zweiten Phase [der Erarbeitung des Merkblattes. K.S.] wurden die Grundlagen für die Beurteilung der Gleichwertigkeit von Systemkomponenten der Oberflächenabdichtung erarbeitet und im Entwurf des zweiten Teils des Merkblattes Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten – Teil 2: Oberflächenabdichtungssystem beschrieben. Neben der klar vorgegebenen Anwendung der Regelanforderungen ergibt sich bei allen alternativen Systemkomponenten ein Entscheidungsfreiraum, der anhand fachlicher Bewertungen auszufüllen ist. Das Merkblatt zu Oberflächenabdichtungssystemen hat zum Ziel, diesen Entscheidungsfreiraum aufzuzeigen, ihn fachlich begründet einzugrenzen und ergänzende Hinweise zur genehmigungstechnischen Umsetzung zu liefern. Für zahlreiche alternative Systeme bestehen aus früheren Jahren bereits Eignungs- und Gleichwertigkeitsfeststellungen in unterschiedlich verbindlicher Form. So werden die einstmals erteilten bauaufsichtlichen Zulassungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) sowie die Eignungsempfehlungen der LAGA-Arbeitsgruppe Oberflächenabdichtungen und –abdeckungen von 1999 aufgegriffen und grundsätzlich weiter als Konkretisierung des Standes der Technik verstanden. Diese Empfehlungen werden weitestgehend in das Merkblatt übernommen. [Was erstaunlich ist, da beide Quellen aus heutiger Sicht "alte Hüte" sind. K.S.] Wo sich im Laufe der zwischenzeitlich vergangenen Jahre ein neuer Erkenntnisstand eingestellt hat, wird dieser dargestellt und mit den ehedem getätigten Aussagen verbunden. Das Merkblatt öffnet zudem den Weg zu weiteren, neuen Alternativen, die sich im Zuge verschiedener Genehmigungsverfahren als grundsätzlich gleichwertig erwiesen haben. Zu den letztgenannten Alternativsystemen wird in Kapitel 3 mehr ausgeführt.

Ein weiteres wichtiges Anliegen des Merkblattes ist die vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung
mit der Rekultivierungsschicht und ihrer Schutzwirkung für die darunter angeordneten Dichtungskomponenten. Neben einer umfassenden Darstellung der bekannten Einflüsse, die die Wirksamkeit und Beständigkeit von Dichtungskomponenten beeinträchtigen können, werden konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Schutzfunktion gegeben. Diese münden in ein System gestaffelter Schutzniveaus, das die Leistungsfähigkeit der Rekultivierungsschicht mit der Empfindlichkeit verschiedener Dichtungssysteme verknüpft. Im Zuge dieser Staffelung wird den Antragstellern wie den Genehmigungsbehörden empfohlen, sich auch bei der Ausführung des Regelsystems nicht notwendigerweise an einer Mindestmächtigkeit von 1 m zu orientieren, da viele Erkenntnisse zeigen, dass diese Mächtigkeit keine hinreichende Schutzwirkung erwarten lässt."

Soweit so gut, aber was steht im Abschnitt 3? "Ausführungsbeispiele von Oberflächenabdichtungen in Nordrhein-Westfalen [einschließlich? K.S.] Wasserhaushaltsschicht"?

Um die Ausführungsbeispiele auch richtig bewundern zu können, ist sicher hilfreich zu wissen, was in NRW die Wasserhaushaltsschicht leisten muß:

"Mit der Erarbeitung des Merkblattes „Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten – Teil 2: Oberflächenabdichtungssystem“ wird die Ausgestaltung einer Wasserhaushaltsschicht erstmals in Nordrhein-Westfalen definiert und zur Anwendung in Oberflächenabdichtungssystemen empfohlen. Nach der hier formulierten Definition muss eine Wasserhaushaltsschicht hinsichtlich Mächtigkeit und Wasserspeichervermögen solch ausgeprägt gute Eigenschaften aufweisen, dass der Niederschlag über das gesamte Jahr gespeichert und wieder an die Atmosphäre abgeben werden kann. Soweit aufgrund der meteorologischen Randbedingungen (zu hoher Jahresniederschlag) dieser vollständige Ausgleich nicht möglich ist, muss soviel Wasser gespeichert werden können, wie über die Evapotranspiration wieder an die Atmosphäre abgegeben werden kann. Als Richtgrößen sind eine Mindestmächtigkeit von 2 m und eine nutzbare Feldkapazität von 350 mm (bezogen auf die Gesamtmächtigkeit) vorgegeben ... ."

Und jetzt kommt es:

"Auf Deponien der Klasse II kann die Wasserhaushaltsschicht entweder mit einer mineralischen
Abdichtung (generell) oder mit einer Kunststoffdichtungsbahn (nur in niederschlagsarmen
Regionen mit einer Jahresniederschlagshöhe von bis zu 650 mm) kombiniert werden."

Warum die Kunststoffdichtungsbahn "nur in niederschlagsarmen Regionen mit einer Jahresniederschlagshöhe von bis zu 650 mm " angewendet werden darf, geht aus dem Manuskript nicht hervor. Verständlich wäre, wenn bestimmt worden wäre, daß in niederschlagsarmen Regionen mit einer Jahresniederschlagshöhe von bis zu 650 mm keine mineralischen Dichtungsschichten verwendet werden dürften, weil in diesen Fällen mit Sicherheit mit einer Rißbildung infolge Austrocknung gerechnet werden müßte. Warum bei Deponien der Klasse II Wasserhaushaltschichten nicht mit Abdichtungen aus Kunststoffdichtungsbahnen kombiniert werden dürfen, bleibt rätselhaft. Vergessen wurde offenbar auch die Anforderung der EU Deponierichtlinie für Deponien der Klasse II.

Und das "Falschfahrerverhalten" setzt sich fort:

"Auf Deponien der Klasse II kann die Wasserhaushaltsschicht entweder mit einer mineralischen Abdichtung (generell) oder mit einer Kunststoffdichtungsbahn (nur in niederschlagsarmen Regionen mit einer Jahresniederschlagshöhe von bis zu 650 mm) kombiniert werden. Auf Deponien der Klasse I kann sie in niederschlagsarmen Regionen als alleinige Dichtungskomponente, in niederschlagsreichen Gebieten in Verbindung mit einer zusätzlichen (einlagigen) mineralischen Sperrschicht kombiniert werden."

Offenbar hatte man in NRW keine Reisekosten zur Verfügung, um am Workshop "..." am 30. Nov/1. Dez. 2006 in Höxter teilzunehmen. Wie man hört, ist dort die BAM zugelassene und entsprechend den veröffentlichen Richtlinien verlegte Kunststoffdichtungsbahn als die zuverlässigste Abdichtungskomponente bewertet worden. Die Vertreter der tonmineralischen Abdichtungskomponenten haben es offenbar nicht vermocht darzulegen, wie zuverlässig wirksame, gegen Trockenrisse und Durchwurzelung unempfindliche tonmineralische Abdichtungsschichten, bemessen und hergestellt werden können.

Im Beispiel "Mineralische Dichtung nach dem "System Castrop-Rauxel" wird eine "in Mächtigkeit und Bodeneigenschaften deutlich aufgewertete Rekultivierungsschicht wird mit einer mineralischen Dichtungsschicht kombiniert".

In dieser Anordnung entfällt die Kunststoffdichtungsbahn!

"Als zusätzliche Kompensation für die entfallende Kunststoffdichtungsbahn wird die mineralische Dichtungsschicht auf 1 m und einen k-Wert von 1*10-9 m/s aufgewertet und vierlagig ausgebildet."

Ich bin sprachlos. Eher wird, so höre ich, die Verminderung der Dicke der tonmineralischen Dichtungsschicht unter einer KDB auf 25 cm Dicke für vernünftig gehalten.

Die Zweifel an der gleichwertigen Wirksamkeit des Systems wurde, laut Tiedt, auf mehreren, seit Herbst 1999 kontinuierlich betriebenen Versuchsfeldern ausgeräumt.

"Die langjährige und erfolgreiche Beobachtung des Systems hat die Genehmigungsbehörde und das Landesumweltamt im Jahr 2005 veranlaßt, die Gleichwertigkeit zum Regelsystem für diesen Standort anzuerkennen und die Genehmigungsfähigkeit zu attestieren."

[Na ja, an Versuchsfeldern ist schon viel "bewiesen" worden. Aber nützlich sind sie schon - wie sollte man ansonsten seine Entscheidung "gerichtsfest" begründen?]siehe auch unter Ergänzungen

Aber es gibt auch noch andere Überraschungen. Das:

Dichtungselement aus Asphaltbeton als Kombinationsdichtung

"Noch ohne genehmigungstechnische Umsetzung geblieben ist der im Merkblatt enthaltene Vorschlag, eine Oberflächenabdichtung für die Deponieklasse II als Dichtungselement aus Deponieasphalt auszubilden und dabei auf die früher obligatorische, redundante mineralische Dichtungsschicht zu verzichten. Der nominelle Verzicht auf die redundante Dichtungskomponente erscheint möglich, da das Dichtungselement aus Deponieasphalt aufgrund seiner Bauart selbst quasi-redundante Wirkungsmechanismen aufweist. So zeigen die im Zuge der bauaufsichtlichen Zulassung angestellten Untersuchungsergebnisse, dass die Asphaltmatrix des Dichtungselementes selbst nach abgeschlossener Alterung der Bitumenanteile immer noch eine Dichtigkeit aufweist, die den Anforderungen an die mineralische Dichtung entspricht."

Das ist in der Tat eine sensationelle Nachricht. Tiedt, oder das Merkblatt, geben allerdings keine Hinweise, warum man statt der tonmineralischen Dichtungsschichten, z. B. bei Deponien der Klasse I nicht gleich "Asphaltabdichtungen" ohne Bitumenanteile zuläßt. Außerdem gefällt mir der Ausdruck "quasi-redundante Wirkungsmechanismen".

"Sofern es gelingt, die technischen Anforderungen an die Nachsorge mit infrastrukturellen Anforderungen zu verbinden, könnte dieser Ansatz insbesondere für solche Flächen interessant sein, auf denen eine gewerbliche Nachnutzung gewünscht ist."

[Den ersten Halbsatz kann ich leider nicht kommentieren, weil ich ihn gar nicht verstanden habe.]

Wo findet man eigentlich aktuelle Qualitätssicherungspläne für Deponieabdichtungen aus Asphaltbeton?

Interessant, ist auch eine bisher nicht so bekannte Variante der Abdichtungskontrolle, die sich bestimmt irgend jemand patentieren lassen wird:

Dichtungskontrolle mit einer Kapillarsperre

"Auf der Zentraldeponie Emscherbruch in Gelsenkirchen wurde erstmals die Anforderung nach Kontrollierbarkeit der Oberflächenabdichtung mittels einer Kapillarsperre umgesetzt. Die Deponie weist einen hohen Anteil steil geneigter Böschungen im Vergleich zur Grundfläche auf und erscheint für den Einsatz einer Kapillarsperre deshalb prädestiniert. Die Deponie enthält zudem Ablagerungsbereiche sowohl der Klasse II als auch der Klasse III.

In der ursprünglich genehmigten Ausführung wurde die Kapillarsperre als zusätzliche Komponente oberhalb einer Kombinationsdichtung nach Regelanforderungen der TA Abfall eingebaut. Die Kontrollfunktion wird dadurch ermöglicht, dass die Abflüsse aus Kapillarschicht und Kapillarblock getrennt erfasst und ausgewertet werden. Die Aufteilung der Oberflächenabdichtung in Kontrollfelder mit einer Fläche von jeweils ca. 500 m2 ermöglicht die erforderliche Lokalisierung etwaiger Schadstellen in einer vertretbaren Genauigkeit. Die Kontrollfelder sind durch die Anordnung der Dränageleitungen und der horizontal angelegten Fangdränagen– sowohl in der Kapillarschicht als auch im Kapillarblock - in ihrer Ausdehnung eindeutig definiert.

Die Wirksamkeit der Kapillarsperre als Dichtungskomponente wird unterstützt durch die Aufbringung einer qualifizierten Rekultivierungsschicht in einer Mächtigkeit von 1,35 m, die an sich bereits mehr als 90 % des Niederschlags zurückhalten kann. Entsprechend hoch stellen sich die Kennwerte der Gesamtwirksamkeit des Systems ein, die anhand der Auswertung der bereits realisierten Bauabschnitte ermittelt werden konnten. In der Kombination von Rekultivierungsschicht und Kapillarsperre werden ca. 99,5 % des Gesamtniederschlags zurückgehalten. Diese Wirkung übertrifft die geforderte Wirksamkeit einer mineralischen Abdichtung der Klasse III deutlich. Dem Antrag des Deponiebetreibers, die mineralische Dichtungsschicht durch die Kapillarsperre zu ersetzen, kann dem entsprechend grundsätzlich gefolgt werden. Die Kapillarsperre wird dann sowohl eine Dichtungs- als auch eine Kontrollfunktion übernehmen. Eine Genehmigung ist allerdings wegen offener Fragen zur Vegetation noch nicht erteilt worden."

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich!

Deponieoberflächenabdichtungen mit BAM-zugelassenen Kunststoffdichtungsbahn, für die es auch veröffentlichte Verlegerichtlinien gibt, sowie Anforderungen an die Verlege-Fachfirmen sowie an die Fremdprüfer, werden in dem Beitrag von Tiedt, und wahrscheinlich auch im Merkblatt "Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten" nur am Rande erwähnt, Abdichtungskomponenten mit TRISOPLAST®-Abdichtungsschichten, gar nicht. Das ist erstaunlich!

Vielleicht sah man keine Notwendigkeit Abdichtungsskomponenten zu erwähnen, für die Qualitätssicherungsvorschriften vorliegen, weil diese ohnehin zum Einsatz kommen. Aber das hätte auch sehr deutlich gesagt werden müssen. Falls man aber gute Gründe hatte und hat, diese Abdichtungskomponenten nicht zu empfehlen, dann sollte das auch, und zwar besonders deutlich gesagt und geschrieben werden. Einfach totschweigen geht nicht.

Interessant, und nicht weniger aufregend, ist sicher auch die Lektüre des Merkblattes Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten - Teil 1: Geologische Barriere.

Da an der Bearbeitung auch der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen beteiligt ist, kann man hoffen (die Hoffnung stirbt zuletzt), daß der Unsinn, der in der EU Deponierichtlinie steht und den wohl auch schon Richter von sich gegeben haben, daß durch "künstliche Geologische Barrieren" ein Deponiestandort "gerettet" werden kann, nicht mitgemacht wird.

Schlußbemerkung: Man soll sich im hohen Alter ja besser nicht so aufregen - so liest man oft. Aber manchmal geht es nicht anders. Ich hoffe, es regen sich noch mehr auf. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Klaus Stief

Ergänzungen zu MeinerMeinung über "Falschfahrer in NRW? "

Zur meinem Kommentar über den Sinn von Versuchfelder

Lesen Sie noch einmal, was ich geschrieben habe.

Meine kritische Anmerkung zum Sinn von Versuchsfeldern hat einen aufmerksamen Leser veranlaßt auf die Vorteile von Versuchsfeldern beim Bau von Deponieabdichtungen hinzuweisen.

Das wiederum veranlaßt mich meine Auffassung vom Nutzen von Versuchsfelder etwas zu präzisieren:

Versuchsfelder zum Nachweis der Herstellbarkeit

Versuchsfelder, wie sie in der TA Abfall und TA Siedlungsabfall Nr. xxx gefordert wurden, halte ich für sehr sinnvoll, weil vor Baubeginn einer Abdichtung festgestellt werden soll und muß, ob sich die Planungsannahmen, die auch zur Genehmigung geführt haben, mehrere Jahre danach, mit den tatsächlich zum Einsatz kommenden Materialien, Maschinen und Geräten der beauftragten Baufirmen auch realisieren lassen - kurz und bündig: ob es wirklich gelingt die geplante Abdichtung herzustellen. (Womit noch gar nichts über die Wirksamkeit und erst recht nicht über die Langzeitwirksamkeit gesagt werden kann.)

Versuchfelder zum Nachweis der Wirksamkeit

Versuchsfelder zum Nachweisbarkeit der Wirksamkeit von Deponieabdichtungen können sehr nützlich sein.

Aus meiner Sicht aber hauptsächlich, um nachzuweisen, daß sich viele Versprechungen der Anbieter nicht halten lassen - daß bereits innerhalb weniger Jahre ein Versagen nachgewiesen werden kann.

Sind die in Versuchsfeldern geprüften Abdichtungssysteme nach der Versuchsdauer von 2, 3 oder auch 8 Jahren noch wirksam, so ist das sicherlich von Vorteil. Trotz der positive Ergebnisse bleibt es aber unerläßlich, daß für die geprüften Abdichtungssysteme oder Abdichtungskomponenten ein Qualitätsmanagement zur Verfügung steht und auch realisiert wird, mit dem "schwarze Schafe" (Planer, Baufirmen, Fremdprüfer, Aufsichtsbehörden, Abdichtungsmaterialien, Baustellenbedingungen) erkannt und ausgeschlossen werden können.

Besonders bei tonmineralischen Abdichtungskomponenten scheint mir das aber nicht ausreichend der Fall zu sein, wie die nicht endenwollenden Diskussionen um die "austrocknungssichere" tonmineralischen Abdichtungen zeigen.

Zum Thema Langzeitwirksamkeit

Bei Deponieabdichtungssystemen und Abdichtungskomponenten hat die Langzeitwirksamkeit eine hervorragende Bedeutung.

Verhängnisvollerweise ist im Zusammenhang mit der "Verteidigung" der Regelabdichtung in der TA Abfall und in der TA Siedlungsabfall die "ewige" Wirksamkeit der tonmineralischen Abdichtungskomponente einer Kombinationsabdichtung angenommen (suggeriert) worden. Wenn die Abdichtungskomponente aus Kunststoffdichtungsbahnen nach 50, 100 oder gar 200 Jahren zerfiele (wie das genau passiert ist noch immer nicht ganz klar) sollte die zwar geringwasserdurchlässige tonmineralische Abdichtungskomponente die in der Deponie abgelagerten Abfälle für die "Ewigkeit" vor einer extensiven Auslaugung schützen.

Grundsätzlich sollte in der Ingenieurtechnik die Hoffnung auf eine "ewige" Wirksamkeit verboten sein.

Speziell für tonmineralische Abdichtungskomponenten geben aber die Erfahrungen aus der Praxis, über die auf Fachtagungen und Workshops berichtet wurde, keinen Anlaß auf die Hoffnung auf eine längere Wirksamkeitsdauer als die anderer Abdichtungskomponenten (z. B. BAM-zugelassenen Kunststoffdichtungsbahnen, und anderen, für die Qualitätsmanagementskonzepte vorliegen und auch angewendet werden).

Bei der Erarbeitung des Entwurfs des Merkblattes "Gleichwertigkeit von Deponiesystemkomponenten
Teil 2: Oberflächenabdichtungssystem" scheint aber der Glaube an eine Langzeitwirksamkeit der tonmineralischen Abdichtungskomponente in Deponieabdichtungssystemen bestimment gewesen zu sein, welche die Langzeitwirksamkeit aller anderen Komponenten übertrifft, insbesondere aber die der BAM-zugelassenen und unter Beachtung aller verfügbaren Vorschriften zur Qualitätssicherung (Verlegen, Schweißen Fremdprüfung, usw.).

Wahrscheinlich ist das der Hauptgrund der unterschiedlich Einschätzungen von Dr. Tiedt und den Arbeitsgruppenmitgliedern und mir.

Klaus Stief 20.02.2007

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